Prakikantin Barbara

Im Wintersemester 2004/2005 absolvierte ich, Barbara Kuranty, ein Praktikum im Bereich Deutsch als Fremdsprache in dem Sprachenzentrum der Technischen Universität in Darmstadt. Das Praktikum habe ich nach der Absprache mit der Leiterin des Sprachenzentrums Prof. Dr. Britta Hufeisen und mit der Frau Friedmann Ende Oktober begonnen. Das Sprachenzentrum bietet ziemlich viele und für Ausländer interessante Veranstaltungen, in den sie ihre Deutschkenntnisse erwerben oder bloß verbessern können. Ich selbst habe manches Angebot am Anfang meines Studiums der Germanistik in Anspruch genommen. Da ich meine zukünftigen Pläne mit dem Fach Deutsch als Fremdsprache verbinde, wollte ich auch erfahren, wie der Unterricht von der anderen Seite aussieht, d.h. von der Seite des Unterrichtenden.
Mein Praktikum bestand größtenteils aus den Hospitationen, außerdem habe ich insgesamt 5 Unterrichtsstunden selbständig vorbereitet und durchgeführt. Die Wahl für die Hospitationen fiel auf vier folgende Kurse:

  • Grundstufe – Paternoster (Mi:15.20-18.50) bei Frau Maaß
  • Übergangsstufe – Brückenkurs (Mo:8.55-12.25) bei Herrn Schwarz
  • UNIcert II – Hören-Verstehen-Diskutieren (Fr:8.30-10.00) bei Frau Reineke
  • UNIcert III – Deutsch für Sozial- und Geisteswissenschaftler (M:12.30-14.00) bei Frau Friedmann.

Es war für mich eine interessante Erfahrung zu sehen, auf welche Schwierigkeiten man trifft und worauf man besonders achten soll, wenn man eine andere Rolle im Unterricht übernimmt als die, des Studenten oder des Schüllers. Die von mir gewählten Kurse richteten sich an Studenten mit sehr unterschiedlichen Deutschkenntnissen, von der Grundstufe bis zu sehr guten Kenntnissen. Es war sehr spannend den Diskussionen unter den höher eingestuften Sudenten zuzuhören, andererseits habe ich aber gemerkt, wie viel Schwierigkeiten ein Gespräch mit den Sudenten nur mit Grundkenntnissen mit sich bringt. Als Lehrer soll man hier sehr auf die Wortwahl achten, sonst kommt es zu unnötigen Missverständnissen. Die Studenten fühlen sich irritiert, wenn sie zu viele neue Vokabeln auf einmal hören.
Es war für mich eine Herausforderung, den Unterricht für die Paternosterkursteilnehmer vorzubereiten. Ich habe versucht, die Kurseinheit etwas spielerischer zu gestalten. Da ich große Freiheit in Themen- und Materialauswahl von Frau Maaß bekam, entschied ich mich eine Art von Wettbewerb zu entwickeln. Das Ziel des Unterrichts war, die Wegbeschreibung und Richtungen zu üben. Die Aufgaben enthielten auch Übungen zum Artikelgebrauch und Hörverstehen. Die Kursteilnehmer wurden in drei Gruppen geteilt (a´ ca. 5-6 Studenten) und sollten zusammen die Aufgaben lösen; für die richtige Lösung bekamen sie Punkte. Meine Funktion beschränkte sich darauf, die Aufgabenerklärung abzugeben und im Fall der Schwierigkeiten zu helfen. Die Teilnehmer waren im Unterricht aktiv; das einzige, was mich überraschte war Tatsache, dass manche Personen Hemmungen hatten, in der Gruppe zu arbeiten. Meine Vermutung ist, dass sie einfach an solche Unterrichtsform nicht gewohnt sind.
Dieser Versuch hilft mir sicherlich weiter, besonders in der zeitlichen Gestaltung des Unterrichts. Ich stellte nämlich fest, dass zu viele Übungen nicht unbedingt gut sind, dass die richtige Auswahl an Themen und Material sehr große Rolle spielt und dass man die Rahmenbedingungen auf jeden Fall berücksichtigen soll (z.B. die Einteilung in die Gruppen erst nach 15 Min. vom Unterrichtsbeginn, weil sich fast immer jemand verspätet).
In dem Brückekurs hat sich meine Anwesenheit nur auf Hospitation beschränkt. Es wurde hautsächlich mit dem Lehrwerk ,,em’’ gearbeitet. Was mich hier sehr angesprochen hat, ist die Eibeziehung der Studenten in die Unterrichtsleitung, z.B. die Teilnehmer sollten an der Tafel die Rolle des Lehrers übernehmen und Grammatikregel an eigenen Beispielen aus der Hausaufgabe erklären. Ansonsten wurden auch ab und zu Texte aus der Presse miteinbezogen. Vor allem aber hat sich der Kursleiter auf die Probleme mit der Grammatik konzentriert, da die Teilnehmer eine Übergangsstufe zu dem Mittelniveau präsentieren.
Mein zweiter Unterrichtsversuch fand in dem Kurs Hören-Verstehen-Disktieren bei Frau Reineke statt. Der Kurs hatte als Ziel hauptsächlich das Üben der Fertigkeit Hörverstehen und Erweiterung des Wortschatzes bei Diskussionen. Die Teilnehmer verfügten über gute Deutschkenntnisse, so war es einfacher für mich ein Thema auszuwählen, dass wirklich eine Diskussion einleiten würde. Mit Hilfe von Frau Reineke entschied ich mich für das Thema ,,Gestik und Mimik in verschiedenen Kulturen’’. Als Grundlage benutzte ich einen Text aus dem Lehrwerk ,,Leselandschaften’’ mit dem Titel: ,,Wie jemand mit seinem Auto ins Wasser stürzte, weil er im Landeskundeunterricht geschlafen hatte.’’ Im Vordergrund stand der Hörtext, danach folgten Übungen, die das Hörverstehen überprüfen sollten (auch Gruppenarbeit), anschließend stellte ich ein paar diskussionsanregende Fragen zu dem Thema. Ich war positiv überrascht über die Bereitschaft der Teilnehmer zu einem Gespräch. Möglicherweise lag das auch an dem Thema, da die Lernenden eben aus verschiedenen Kulturen stammen und dadurch direkt über eigene Erfahrungen sprechen konnten. Bei der Vorbereitung stellte ich mir oft die Frage, wie kann ich das Thema einführen, damit die Studenten auch diskutieren möchten, was mache ich, wenn plötzlich Stille einkehrt oder ist der ausgewählte Text nicht zu einfach/schwierig.
Der vierte Kurs, den ich besuchte, richtete sich an Personen, die ihre Deutschkenntnisse im Bereich Sozial- und Sprachwissenschaft verbessern wollten. Es wurde oft Textproduktion geübt, Schwierigkeiten bei der Textproduktion, bei der Durchführung einer Forschungsarbeit und beim Lesen wurden besprochen. Frau Friedmann hat immer etwas Interessantes für die Teilnehmer vorbereitet und auch verschiedene Medien eingesetzt. Die Studierenden hatten oft die Gelegenheit eigene Texte zu präsentieren oder andere Produktionen zu kritisieren.
Das Praktikum war für mich eine neue, interessante Erfahrung, die mir sicherlich weiter helfen wird. Die Kursteilnehmer waren sehr freundlich und haben meine Fragen immer beantwortet. Während meiner Unterrichtsversuche habe ich ganze Menge gelernt und bin allgemein mit den Ergebnissen zufrieden. Dank dem Praktikum habe ich jetzt etwas anderes Bild vom Unterricht im Bereich Deutsch als Fremdsprache bekommen. Vor allem weiß ich, wo die Schwierigkeiten eventuell stecken könnten und kann jetzt überlegen, wie sie am besten zu beheben sind.