Im Wintersemester 2005/2006 war ich, Magdalena Sawka, Praktikantin in dem Fachbereich Deutsch als Fremdsprache am Sprachenzentrum der Technischen Universität Darmstadt. Nach einem kurzen Vorgespräch mit der Leiterin des SPZ, Prof. Dr. Britta Hufeisen und mit Frau Friedmann und Frau Schmitt, deren Kurse ich mir für meine Hospitationen ausgesucht habe, konnte ich mein Praktikum beginnen.
Am Sprachenzentrum werden viele Fremdsprachen in meist studienbegleitenden Kursen gelehrt. Der Deutschunterricht ist unterteilt in sowohl allgemeinsprachliche als auch fachsprachliche Kurse. Dies ist für ausländische Studierende eine sehr gute Gelegenheit, die deutsche Sprache zu erwerben oder zu verbessern.
In meinem Praktikum habe ich vor allem hospitiert. Außerdem habe ich am Ende des Semesters insgesamt vier Unterrichtstunden selbst geplant, gestaltet und durchgeführt.
Für meine Hospitationen habe ich mich für folgende Kurse entschieden:
Bei dem Kurs Hören- Verstehen- Diskutieren I stehen die Fertigkeiten Hörverstehen, Diskutieren und Argumentieren, auch in schriftlicher Form als Textproduktion, im Vordergrund. Der Wortschatz wurde dann durch Fragen zum Verständnis des Textes und durch verschiedene Übungen gefestigt und eingeübt. Frau Schmitt hat größtenteils mit dem Lehrwerk „Neue Wege“ gearbeitet. Die Kursteilnehmer haben oft in Gruppen gearbeitet und die Ergebnisse wurden an der Tafel gesammelt. In diesem Kurs habe ich einen meiner zwei Unterrichtsversuche durchgeführt. Die ersten Schwierigkeiten habe ich schon bei der Auswahl des Themas gehabt. Das Hauptproblem bestand darin, dass die TeilnehmerInnen im Allgemeinen sehr selten bereit waren, bei einer Diskussion mit zu machen. Nachdem mir Frau Schmitt eine Liste der Themenwünsche der Studierenden, die sie in der ersten Sitzung gesammelt hatte, gegeben hat, entschied ich mich für das Thema “Studieren in Deutschland”. Am Anfang meiner Unterrichtstunde hat jeder erst einmal ein Namensschild angefertigt, damit man sich besser ansprechen konnte. Danach habe ich den Teilnehmer kurz mein Thema erläutert und geschildert, d.h. ich habe eine kurze Einführung gegeben in das, was ich mit ihnen vorhabe. Im Vordergrund standen zwei Hörtexte, zu denen ich auch eine Wortschatzliste mit Wörtern, die ich für schwer oder unklar gehalten habe, vorbereitet habe. Danach folgten Fragen und Übungen zum Verständnis der beiden Texte, die die Kursteilnehmer in Gruppen bearbeitet und die wir dann zusammen besprochen haben. Kurz vor dem Ende habe ich noch mit ein paar Fragen, wie z.B.: Warum sind Sie zum Studium nach Deutschland gekommen?, Welche Argumente sprechen für, welche gegen ein Studium in der BRD?, Versprechen Sie sich eine glänzende Karriere nach Ihrer Rückkehr ins Heimatland? oder Welche Erfahrungen haben Sie in BRD gemacht?, Auf welche Schwierigkeiten sind Sie in Ihrem Studium in BRD gestoßen?, eine Diskussion eingeleitet. Da die Kursteilnehmer aus verschiedenen Ländern kamen, konnten Sie auch ein bisschen über die Studentensituation in ihrem Heimatland erzählen.
Meinen zweiten Unterrichtsversuch unternahm ich in dem Kurs Hören- Verstehen- Diskutieren II bei Frau Friedmann. Hier, genauso wie bei Frau Schmitt, wurde überwiegend Hörverstehen (meistens TV- und Radiosendungen) und Diskutieren geübt, aber auf höherem Niveau, d.h. die Teilnehmer verfügten über gute Deutschkenntnisse. Fast jede Sitzung hat mit einem Kurzreferat angefangen. Die Textproduktion zu verschiedenen Themen wurde in den Hausaufgaben trainiert.
Ich entschied mich für das Thema „Die Welt der Sprache“ und genauer gesagt: „Die Sprache der Tiere“. Am Anfang bin ich genauso vorgegangen wie bei dem ersten Unterrichtsversuch, d.h. Anfertigung von Namensschildern, Schilderung des Themas, Besprechung der ersten Wortschatzliste. Danach haben wir uns den ersten Hörtext (Radiosendung) „Die Sprache der Tiere“ angehört und die Teilnehmer haben Fragen zur Bearbeitung gekriegt. Sie sollten sich außerdem überlegen, ob die Affen sprechen können. Nach einer Diskussion der verschiedenen Meinungen habe ich mit den Teilnehmern ein kleines Experiment „Sprechen wie ein Menschenaffe“ durchgeführt. Sie sollten ausprobieren, wie es sich spricht, wenn die Zunge sich nur minimal bewegen lässt, so wie es beim Schimpansen ist, indem man die Zunge mit einem Holzstäbchen herunter drückt. Danach habe ich ein Schaubild, auf dem die Artikulationsorgane von Schimpanse und Mensch verglichen werden, verteilt. Die Gruppe sollte die Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen. Die Ergebnisse haben wir gemeinsam besprochen und nach einer kurzen Entspannungsübung kamen wir zu der zweiten Wortschatzliste und zu dem zweiten Hörtext „Können Affen sprechen?“. Danach folgte die Bearbeitung der Fragen. Am Ende der Unterrichtseinheit haben wir noch in der Gruppe Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Menschenaffe und Mensch gesammelt.
In dem Kurs Intonation II bei Frau Friedmann habe ich nur hospitiert. Hier stehen Wort- und Satzakzent, Textintonation und das Training in freier Rede im Vordergrund. Dies wurde in Diskussionen, Rollenspielen, in freien Kurzvorträgen und Reportagen eingeübt. Frau Friedmann hat immer interessante Aufgaben für die Kursteilnehmer gehabt, wie Vorstellung eines Filmes oder eines Buches mit Spannungsbogen, Vorführung eines Streitgespräches, Erläuterung von Diagrammen, oder Vorbereiten einer Sport- oder Reisereportage. In der letzten Sitzung durfte ich bei der Abschlussprüfung dabei sein und eine eigene Bewertung abgeben. Die Kursteilnehmer mussten einen bekannten und unbekannten Text vorlesen und einen Kurzvortrag halten.
Der Kurs Wirtschaftsdeutsch I, auch bei Frau Friedmann, führt in die Fachsprache der Wirtschaft ein. Der Fachwortschatz wurde mit Hilfe fachrelevanter Texte systematisch aufgebaut und in Rollen- und Planspielen trainiert. Am Anfang jeder Sitzung haben die Teilnehmer über geschehene, wirtschaftliche Ereignisse, die sie als kursbegleitende Aufgabe während der ganzen Woche sammeln sollten, kurz berichtet. Es wurden auch kurze Referate gehalten. In diesem Kurs beschäftigten wir uns mit vielen, interessanten Themen, wie z.B. Firmengründung, Banken und Börse, Konjunktur, Arbeitsmarkt, Europäische Union, Außenwirtschaft, Wettbewerb und Marketing. Die Kursteilnehmer haben sich auch mit der Geschichte verschiedener Firmen, wie Merck, VW und Wella auseinandergesetzt und unterschiedliche Interessenskonflikte (Flughafenausbau Frankfurt/Main) diskutiert. Frau Friedmann hat mit keinem bestimmten Buch gearbeitet, sondern hatte meistens Artikel aus der Presse mitgebracht, von denen sie glaubte, dass sie die Teilnehmer interessieren könnten. Es wurde auch mit dem Internet gearbeitet, wir haben uns Videos mit Werbespots und Plakate angeschaut. In der letzten Sitzung haben die Teilnehmer die Abschlussklausur geschrieben. Auch in diesem Kurs hat sich meine Anwesenheit nur auf Hospitationen begrenzt.
Im Ganzen kann ich über mein Praktikum sagen, dass es eine schöne Zeit war. Es hat mir viel Spaß gemacht, nicht nur, weil alle nett waren, sondern auch, weil ich von den Kursleiterinnen, Frau Schmitt und Frau Friedmann, wirklich viel gelernt habe und so um viel Wissen und einige neue Erfahrungen reicher bin. Das Praktikum war für mich eine sinnvolle und interessante Erfahrung.