Praktikantin Xio-Yuan

Im Sommersemester 2006 absolvierte ich, Xiao-Yuan Wang, mein Praktikum im Bereich Deutsch als Fremdsprache in dem Sprachenzentrum der Technischen Universität in Darmstadt. Nach einer Absprache mit der Leiterin des Sprachenzentrums Frau Prof. Dr. Britta Hufeisen begann ich das Praktikum Ende Mai.
In meinem DaF-Studium in Mainz habe ich viel theoretisches gelernt. Ich wollte auch erfahren, wie der DaF-Unterricht hier in Deutschland in der Praxis aussieht. Beim Praktikum galt mein besonderes Interesse dem Vergleich des DaF-Unterrichts zwischen Deutschland und China in Bezug auf Unterrichtsmethoden, Sozialformen, die Lehrer- und Lernerrolle.
Mit Frau Hufeisen vereinbarte ich die Kurse für meine Hospitationen und sie half mir bei der Auswahl mit der Beschreibung der einzelnen Kurse. Mein Praktikum bestand größtenteils aus den Hospitationen, außerdem habe ich insgesamt 4 Unterrichtsstunden selbständig vorbereitet und gegeben. Die Hospitationen erfolgten in den folgenden Kursen:

  • Brückenkurs bei Frau Kleinschmidt (Übergangsstufe, Lehrwerk: „em“)
  • Paternoster-Starter bei Frau Hoffmann (Grundstufe/UNIcert I, Lehrwerk: „Themen“)
  • Grammatik Ib bei Frau Reineke (Mittelstufe/UNIcert II)
  • Autonomes Sprachlernen bei Frau Caspar-Terizakis
  • Deutsch für Gastwissenschaftler II bei Frau Heinelt (Mittelstufe/UNIcert II, Lehrwerk: „em“)

Die Kursleiterinnen nahmen mich freundlich auf und sie waren sehr hilfsbereit, meine Fragen zu beantworten und Unterrichtsverläufe zu erklären.
Der Kurs Autonomes Sprachlernen gab mir einen tiefen Eindruck. Die Kursleiterin und Kursteilnehmerinnen trafen sich dreimal im ganzen Semester. Beim ersten Treffen wurde ein Lernvertrag abgeschlossen. Dabei erklärten die Kursteilnehmer/innen ihre Lernziele und Schwierigkeiten beim Deutschlernen. Dazu gab Frau Caspar-Terizakis Vorschläge, wie man sich rasche Hilfe und effiziente Informationen beschafft, um sich dem Ziel zu nähern. Zwischen der Zeit ohne Treffen gab es den Emailverkehr zwischen der Kursleiterin und den Teilnehmer/innen. Ich war beim zweiten Treffen zur Reflexion anwesen. Die Teilnehmer/innen berichteten über ihre positiven und negativen Erfahrungen beim autonomen Lernen. Frau Caspar-Terizakis gab ihnen weitere Vorschläge und kontrollierte ihre Leistungen. Mir war auffällig, dass eine sehr heterogene Gruppe in dieser Unterrichtsform gut betreut werden konnte. Nach dem Treffen sprach ich mit Frau Caspar-Terizakis intensiv über die Leistungskontrolle. Sie wies explizit darauf hin, dass es schwierig beim autonomen Lernen war, Leistungen zu kontrollieren. Wichtig war hier das Gefühl, das sie im Laufe der Zeit entwickelte.
Die Entscheidung über meine Unterrichtsversuche wurde mir überlassen und musste mit jeweiligen Kursleiterinnen vereinbart werden. Meine Unterrichtsversuche unternahm ich in den Kursen Paternoster-Starter und Grammatik Ib. Zur Vorbereitung habe ich die Kurse von Frau Hoffmann und Frau Reineke genau beobachtet, über die Unterrichtsverläufe und Unterrichtssprache Notizen gemacht.
Im Paternosterkurs wurde mit dem Lehrwerk „Themen“ gearbeitet. Frau Hoffmann bezog mich am ersten Tag in den Unterricht ein. Bei Partner- oder Gruppenarbeiten beantwortete ich Fragen der Kursteilnehmer/innen und half ihnen, wenn sie nicht mehr weiter wussten. So entschied ich mich in diesem Kurs einen Unterrichtsversuch zu machen. In meinem Unterricht wurden das Thema „Freizeit“ und die Modalverben „können“, „müssen“, „dürfen“ von der Lektion Vier behandelt. Die Teilnehmer/innen konnten fast gar kein Deutsch. Manchmal musste durch Gestik, Mimik oder in Englisch kommuniziert werden. Bei der Vorbereitung für den Paternosterkurs half Frau Hoffmann mir sehr viel, indem sie mir zuerst ihre Erfahrungen in diesem Kurs erzählte und mir ihre Unterrichtszettel zum Lesen gab. Der Kurs richtete sich an Gastwissenschaftler/innen. Wegen der Arbeit und vieler akademischer Konferenzen konnten sie ab und zu nicht zum Unterricht gehen. Daher wurde eine ausführliche Wiederholung der letzten Stunde zu Beginn des Unterrichts notwendig, damit der Unterricht richtig weiterlaufen konnte. Zur Entlastung des Wortschatzes standen viele Bilder zum Thema „Freizeit“ im Lehrwerk zur Verfügung. Um die Funktionen der Modalverben zu erklären fertigte ich ein paar Bilder an, die die Situationen schildern. Nach meiner selbständigen Vorbereitung sprachen ich und Frau Hoffmann wieder mal über meinen Unterrichtsplan und die bei der Vorbereitung entstandenen Fragen. Nach dem Unterricht gab sie mir konstruktive Vorschläge zu meinem Unterricht. Als Lehrerin soll ich im Kurs für Anfänger/innen auf die Wortwahl und das Sprechtempo achten. Sonst kommt es oft zu Missverständnissen. Hilfreich ist bei Fragen oder Üben, dass ich Kursteilnehmer/innen meine Fragen oder Aufgabenerklärungen zurückgeben lasse, damit ich wissen kann, ob sie mich richtig verstehen.
Mein zweiter Unterrichtsversuch fand im Kurs Grammatik Ib bei Frau Reineke statt. Der Kurs fand im Multimedialabor statt, der mit dem Computer und Beamer ausgestattet ist. Der Kurs hatte als Ziel hauptsächlich das Üben der deutschen Grammatik. Das Thema meines Unterrichts war der Temporalsatz. Dabei handelte es sich um die Zusammenfassung aller Arten von Temporalsätzen. Als Grundlage empfahl Frau Reineke mir die Bücher „Lehr- und Übungsbuch der deutschen Grammatik“ und „Übungsgrammatik für DaF“. In meinem Unterricht war mir schwierig, wie ich die Kursteilnehmer/innen in Übungen einführen konnte, weil das Niveau unterschiedlich war. Manche konnten problemlos alles schaffen, während die anderen überhaupt keine Ahnung davon hatten. Also musste ich ihnen bei jedem Schritt näheres erklären. Außerdem wollten die Teilnehmer/innen oft alles wissen und stellten viele Fragen, die für mich nicht leicht zu beantworten waren. Dabei half Frau Reineke mir sehr viel. Durch diese Probe stellte ich fest, dass zu viele Übungen nicht unbedingt gut sind, dass die richtige Auswahl an Übungen und eine gute Kombination von Übungen in sinnvoller Progression eine sehr große Rolle spielen.
Im Ganzen kann ich über mein Praktikum sagen, dass es eine schöne Zeit war. Die Kursleiterinnen betreuten mich ganz intensiv. Ich bekam immer Hilfe, wenn ich sie benötigte. Die Kursteilnehmer/innen waren auch sehr nett und bereit, meine Fragen zu beantworten und luden mich sogar zu ihren Partys ein. Während meiner Unterrichtsversuche lernte ich ganze Menge und auch sehr viel von den Kursleiterinnen. Ich möchte mich zum Schluss ganz herzlich bedanken.