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Vorträge

Prof. Dr. Ingrid Gogolin
Universität Hamburg


Der Beitrag des Herkunftssprachlichen Unterrichts zur “Bildung zur Mehrsprachigkeit”

Sprachenvielfalt ist gelebter Alltag in Deutschland ‒ auch in den Bildungseinrichtungen. Eine konsequente Berücksichtigung der “lebensweltlichen Mehrsprachigkeit” ihrer Klientel aber ist in den Bildungseinrichtungen vorerst nicht zu finden. Im Beitrag werde ich zunächst auf Forschung zur Frage eingehen, warum es für die Schülerschaft insgesamt sinnvoll wäre, Mehrsprachigkeit als Bildungsvoraussetzung zu berücksichtigen und als Bildungsziel anzuerkennen. Sodann stelle ich Konsequenzen für die Gestaltung von sprachlichem Unterricht vor, der zur “Bildung zur Mehrsprachigkeit” beiträgt.

Prof. Dr. Andrea Cnyrim
Hochschule Karlsruhe


Sprach- und Kulturmittlung nach dem GER: Inwiefern und mit welchen Methoden lassen sich diese Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht entwickeln?

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) sah von Anfang an neben Kompetenzstufen für den Fremdsprachenerwerb auch solche zur Fertigkeit Sprachmittlung vor. Gleichzeitig sind die meisten Nutzer*innen des GER weder ausgebildete Übersetzer*innen noch wurden den Lehrenden der Fremdsprachen in der Folge Konzepte zur Entwicklung dieser komplexen Fähigkeit an die Hand gegeben. Daher verwundert es kaum, wenn bedauerlicherweise noch immer mit überholten Vorstellungen gearbeitet wird, wie etwa der, es genüge zwei Sprachen einigermaßen sicher zu beherrschen, um auch übersetzen oder gar dolmetschen zu können. Dabei wird Übersetzung häufig als ‚Signaltransport’ verstanden, bei dem der Inhalt aus einer sprachlichen Äußerung ‚entnommen’ und dann gewissermaßen lediglich in den Worten der Zielsprache ‚neu verpackt’ werden müsse. Diese und andere laienhafte Vorstellungen vom Übersetzen und/oder Dolmetschen führen zu Unterrichtskonzepten, die wenig geeignet sind, Fremdsprachenlernende auf die im GER vorgesehenen Aufgaben der Sprachmittlung vorzubereiten.

Hier möchte dieser Vortrag Abhilfe bieten, indem er zunächst einen translationswissenschaftlich informierten Überblick über Modelle translatorischer Kompetenz gibt (darüber, also wie diese Fähigkeit in der Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft beschrieben und definiert wurde), ein Entwicklungsmodell dazu vorstellt und anschließend geeignete Formate zu ihrer Ausbildung und Förderung diskutiert, die sich in den Fremdsprachenunterricht integrieren lassen.

Prof. Dr. Mirosław Pawlak
State University of Applied Sciences Konin, Poland
Adam Mickiewicz University Posen, Poland


Promoting multilingualism in heritage language learners: The case of immigrants in Germany

On the face of it, multilingualism can be regarded as a natural order of things in the present-day world. On the one hand, it appears to be more and more ubiquities not only because of the coexistence of groups, the members of which speak different first languages, but also the rampant processes of immigration and globalization. On the other hand, multilingualism is being actively promoted in some countries which have been enacting laws allowing early instruction in one or two foreign languages, or taking steps to ensure that their citizens can speak several such languages (cf. Aronin, 2015; Aronin & Singleton, 2012). This said, it must surely come as a surprise that the learning of mother tongues of immigrants (e.g., Polish, Turkish) in such countries as Germany is often not sufficiently supported even though such heritage languages could become major allies in the overall process of education as well as personal growth. The paper considers the ways in which this problem can be addressed both at the level of language policy, instructional techniques and procedures, and learner autonomy, in particular the use of language learning and use strategies.

Prof. Dr. Waldemar Martyniuk
Jagiellonen-Universität Krakau

Mehrsprachigkeit – Überlegungen zum Phänomen und Begriff


Der Begriff Mehrsprachigkeit ist nicht eindeutig. Er bezeichnet die Fähigkeit einzelner Menschen, in mehreren Sprachen zu operieren oder die sozialen Kontexte, in denen mehrere Sprachen verwendet werden. In der Auffassung des Europarates, seit der Veröffentlichung des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens, wird dabei ziemlich konsequent zwischen plurilingualism und multilingualism unterschieden. In anderen Kontexten, z. B. in der Dokumentation der Europäischen Kommission, wird diese Unterscheidung, wenn überhaupt, durch individual vs. social multilingualism wiedergegeben. Sowohl das individuelle als auch das soziale Phänomen Mehrsprachigkeit lässt sich auch aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: der linguistischen, glottodidaktischen, psychologischen, kulturwissenschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen usw. Dabei scheint es möglich, das Phänomen in beiden Auffassungen nicht nur zu beschreiben, aber auch zu bewerten – über Vorteile, Chancen und Möglichkeiten zu sprechen oder gerade umgekehrt, auf Nachteile, Gefahren und Bedrohungen zu verweisen. In diesem Beitrag wird ein Versuch unternommen, diese Überlegungen zusammenzufassen und damit eine gewisse Grundlage für weitere Diskussionen zum Thema Mehrsprachigkeit und Herkunftssprachen zu schaffen.