Abschlussbericht Russisch

Abschlussbericht der AG Russisch

An der AG Russisch zeigten ihr Interesse sowohl die zahlreichen Lehrerinnen und Lehrer aus einigen Schulbezirken von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz als auch Dozentinnen – u. a. in Leitungspositionen – an den Hochschulen und universitären Sprachenzentren aus Aachen, Berlin, Bochum, Braunschweig, Erfurt, Göttingen, Kassel und Potsdam.

Bedarfsanalyse des Curriculums und der Rahmenbedingungen der HSU-Lehrenden

Nach den Impulsvorträgen der Dozentinnen über die curricularen Grundlagen des HSU mit Differenzierung Schule versus Hochschule diskutierten die Teilnehmer in drei Gruppen: Grundschule, Sekundarstufe I und Hochschule die Gegebenheiten, Probleme und Wunschvorstellungen in ihren Institutionen. Als Ergebnis der Diskussion in Form vom Brainstorming wurde die Kartenabfrage für Schule und Hochschule in drei Spalten: Ist-Zustand, Probleme, Soll-Zustand erstellt und an der Tafel visualisiert (s. Foto).
Die Heterogenität der Lerngruppen in der Schule, insbesondere in der weiterführenden Schule, vielmehr aber bei den Studierenden, hat sich als größtes gruppenübergreifendes Problem herausgestellt. Die Lehrkräfte berichteten, dass sie in sprachlich-kulturell heterogenen Gruppen oft auf ihre individuellen Lösungen angewiesen sind.
Die Curricularen Grundlagen des HSU hinsichtlich des Schriftspracherwerbs: Die im Rahmenplan HSU für GS und Sek I in Rheinland-Pfalz beschriebenen Kompetenzen wurden grundsätzlich positiv aufgenommen, wegen der zu allgemeinen Formulierungen allerdings, – hier etwa im Bereich Schreiben: Texte verfassen – auch kritisiert. Die Vertreter der Hochschule sprachen das ähnliche Problem in Bezug auf den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen an. Die im GeR beschriebenen Kompetenzen seien wenig konkret und berücksichtigten kaum die Besonderheiten des HSU. Der in Nordrhein-Westfalen geltende Kernlehrplan HSU sollte nach Aussagen der Lehrkräfte grundsätzlich aktualisiert werden.
Die AG-Teilnehmer begrüßten zwar das Aufwecken des Interesses am HSU beides im Schul- und Hochschulbereich. Sie brachten aber die oft erschwerten Rahmenbedingungen ihrer Arbeit zum Ausdruck: Von den HSU-Lehrkräften für Russisch wurden folgende Probleme als typisch gesehen: Unterricht mit wenig als amtlich vorgesehene 3-5 Stunden pro Woche; Unterricht überwiegend am Nachmittag; oft zu große und heterogene Gruppen; die mit den Sport-, Musik- und anderen Aktivitäten der Schüler konkurrierenden Unterrichtszeiten. Wünschenswert wäre es, dass die Eltern von der Schule rechtzeitig, ausführlich und adressatengerecht über das HSU-Angebot informiert würden. Die Vertreter der Sprachenzentren appellierten ihrerseits an die Schullehrer, die Informationen über ihre Tätigkeit und Aufgabenbereiche an die Schüler und Eltern weiter zu leiten.
Auf dem Gebiet Unterrichtsmaterialien wurden unterschiedliche Defizite festgestellt: Als Hauptproblem bezeichneten die Vertreter der Schule und der Hochschule, dass für den HSU weder die Lehrwerke für den klassischen muttersprachlichen Russischunterricht noch die für den Unterricht Russisch als Fremdsprache, insbesondere hinsichtlich des Schriftspracherwerbs, ohne Weiteres benutzt werden können. Neue moderne Lehrwerke – vergleichend mit denen etwa für DaZ-Unterricht – gehören zu den Wunschvorstellungen der Teilnehmer. Außerdem wünschten sich die Lehrenden mehr Freiheit bei der Auswahl der Lehrwerke, da es in NRW etwa strenge Beschränkungen hinsichtlich der zum Unterricht zugelassenen russischen Verlage gäbe.
Demensprechend wurden die ausführlichen Informationen aus der Präsentation zum zweiten Bereich: Schriftspracherwerb/Schriftliche Textproduktion mit großem Interesse aufgenommen: Schreibanlässe und Textarten sowie geänderte Ansätze in der Didaktik der Grammatik und Rechtschreibung im Schulunterricht, Internet-Ressourcen zur Erstellung der Unterrichtsmaterialien, neue Lehrwerke für HSU und Russisch als Fremdsprache mit dem Schwerpunkt Schriftspracherwerb für fortgeschrittene Lerner. Hier wurden unterschiedliche Textsorten und Aufgabentypen vorgestellt. Der Austausch, u. a. über die Kompetenzen und Methoden (in Form Think-Pair-Share), fand teilweise auch während der Pausen statt.
Als didaktische Hinführung wurde von Frau Dr. Tschernega Meinert das Thema Diktat in vielfältigen und nicht konventionellen Formen und Varianten dargestellt. Die didaktischen Materialien stießen auf ein großes Interesse der Teilnehmer; so wurden sie ihnen nachher – nebst der Präsentation, auf ihren Wunsch, – in digitaler Form zugesendet.
Grundsätzlich finden wir, dass die Zusammenarbeit in unserer großen Gruppe angenehm und ziemlich effektiv war. Auch die Teilnehmer gaben ihre meist zustimmenden Rückmeldungen ab, indem sie die Atmosphäre, die Vorträge der AG-Leiterinnen, die Art und Weise der Präsentierung sowie die von ihnen ausgewählten und dargestellten Materialien positiv einschätzten. Einige Teilnehmer wünschten sich mehr Möglichkeiten und Chancen zu eigenen Beiträgen.
Im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen Schule und Hochschule hat es sich ergeben, dass der Wunsch existiert, herkunftssprachliche Fortbildungen zu verankern. Für die evtl. künftigen Workshops sollte noch über die Gruppengröße und – in der Anfangsphase – über die Verteilung der Teilnehmer Schule/Hochschule nachgedacht werden. Dies würde die Möglichkeit des effektiveren Austausches gewährleisten. Ansonsten haben die AG-Teilnehmer und wir als Leiterinnen der AG Russisch die Konferenz und die sprachspezifische AG als ersten erfolgreichen Schritt in die richtige Richtung bewertet.

Svetlana Kharif, Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
Dr. Elena Tchernega Meinert, Katharina-die-Große-Schule, Frankfurt am Main