Bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater, Tanz, Film, Performance usw. sind zentrale Ausdrucksformen europäischer Identität und des menschlichen kulturellen Gedächtnisses. Im Rahmen des Studierendenkongresses widmet sich die Arbeitsgruppe einem der prägenden Spannungsfelder unserer Zeit: dem Wandel kultureller Praktiken im Übergang zwischen analogen und digitalen Räumen.
In einer Zeit, in der Digitalisierung nicht nur als technischer, sondern als gesellschaftlicher, kultureller und ethischer Prozess verstanden werden muss, stehen Kunst, Musik und Literatur vor tiefgreifenden Veränderungen. Sie werden auf neuen Plattformen rezipiert, verbreitet bzw. produziert, und stehen gleichzeitig in Spannung zu analogen Institutionen und Praktiken, die weiterhin unverzichtbare Räume der Begegnung, Vermittlung und kollektiven Erinnerung bilden. Diese Dynamik knüpft an das Vorgängerprojekt „Digitales Weimarer Dreieck: Jugend – Motor eines innovativen und solidarischen Europas“ an, um dessen Impulse in einem akademischen Rahmen zu vertiefen.
Die Arbeitsgruppe nimmt im trinationalen Austausch zwischen Deutschland, Frankreich und Polen den Wandel kultureller Vielfalt, Teilhabe und Identität in den Blick — von gewachsenen historischen Traditionen bis hin zu den Herausforderungen und Chancen des digitalen Zeitalters. Dabei steht weniger die Bestandsaufnahme im Vordergrund als die Frage, wie ein gemeinsamer europäischer Kulturraum aktiv gestaltet und zukunftsfähig gemacht werden kann. In diesem Zusammenhang können unterschiedliche nationale Kulturpolitiken, Digitalisierungsstrategien und Erinnerungskulturen der drei Länder des Weimarer Dreiecks vergleichend beleuchtet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Chancen und Risiken die digitale Transformation für den gemeinsamen europäischen Kulturraum mit sich bringt – und welche Verantwortung Gesellschaft, Politik, Kulturschaffende und die junge Generation dabei tragen.
Die Teilnehmenden nähern sich in Kleingruppen ausgewählten Leitfragen an, tauschen ihre Perspektiven aus und entwickeln gemeinsam eine Posterpräsentation, die Impulse und Denkanstoße bündelt und weiterführende Fragen für einen lebendigen, inklusiven europäischen Kulturraum der Zukunft aufwirft.
Mögliche Leitfragen:
1. Digitaler Wandel und kulturelle Transformation
- Wie verändern digitale Plattformen (Streaming, soziale Medien, KI-generierte Inhalte) die Produktion, Distribution und Rezeption von Kunst, Musik und Literatur in Deutschland, Frankreich und Polen?
- Welche neuen Ausdrucksformen entstehen durch die Digitalisierung und welche traditionellen Formen werden verdrängt, transformiert oder neu bewertet?
- Inwiefern verändert die Digitalisierung das Verhältnis zwischen Kulturschaffenden und ihrem Publikum? Welche Rolle spielen dabei Algorithmen und Plattformlogiken?
2. Analoger Kulturraum: Bedeutung und Bedrohung
- Welche Rolle spielen analoge Kulturräume (z.B. Bibliotheken, Konzerthäuser, Buchhandlungen, Galerien, Theater) in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft?
- Wie unterscheiden sich die nationalen Strategien zur Förderung und Erhaltung analoger Kulturinfrastrukturen in Deutschland, Frankreich und Polen?
- Stehen analoger und digitaler Kulturraum in einem Spannungsverhältnis oder ist eine produktive gegenseitige Ergänzung denkbar?
3. Kulturelle Teilhabe, Zugänglichkeit und Chancengleichheit
- Ermöglicht die Digitalisierung eine breitere gesellschaftliche Teilhabe an Kultur oder verschärft sie bestehende soziale und geographische Ungleichheiten?
- Welche Bevölkerungsgruppen werden durch digitale Kulturangebote erreicht und welche bleiben ausgeschlossen?
- Welche Rolle spielen Sprachbildung und Mehrsprachigkeit bei der Förderung gleichberechtigter Teilhabe im europäischen Kulturraum?
4. Europäische Identität, Erinnerungskultur und kulturelle Vielfalt
- Trägt die digitale Vernetzung zur Entstehung eines gemeinsamen europäischen Kulturraums bei oder fördert sie eher eine kulturelle Homogenisierung auf Kosten nationaler und regionaler Besonderheiten?
- Wie spiegeln Kunst, Musik und Literatur in Deutschland, Frankreich und Polen unterschiedliche Erinnerungskulturen und historische Erfahrungen wider?
- Welche Bedeutung hat das Weimarer Dreieck für die trilaterale Kulturzusammenarbeit und kann die junge Generation neue Impulse einbringen?
5. Zukunftsperspektiven: Kulturpolitik, Demokratie und Verantwortung
- Welche kulturpolitischen Maßnahmen sind notwendig, zur Gestaltung und Sicherung eines lebendigen, vielfältigen und demokratischen europäischen Kulturraums im digitalen Zeitalter?
- Können oder müssen Algorithmen, Plattformen und Technologieunternehmen gegenüber kultureller Vielfalt und demokratischer Teilhabe ethische Verantwortung tragen?
- Wie kann die trilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und Polen im Kulturbereich analog wie digital nachhaltig gestärkt werden?
Posterpräsentation:
Am Ende des Kongresses präsentiert jede Gruppe ihre Ergebnisse in Form eines wissenschaftlichen Posters, das:
- eine zentrale Fragestellung formuliert,
- relevante Beispiele oder Fallstudien aus den drei Ländern darstellt,
- zentrale Argumente und Erkenntnisse zusammenfasst,
- sowie mögliche Perspektiven für die Zukunft des europäischen Kulturraums aufzeigt.
Die Poster werden anschließend im Rahmen einer Poster-Session diskutiert und gemeinsam mit anderen Teilnehmenden sowie eingeladenen Expert:innen reflektiert.